eifelreise fuehrer

Dietmar Mirkes

Ein Wort vorweg: Geologische Zusammenhänge sind für Normalbürger nicht gerade leicht zu verstehen. Zum einen gibt es da die Kompliziertheit der Materie an sich, zum anderen trägt auch das Fach-Chinesisch der Wissenschaftler sein Scherflein dazu bei. Da ich davon ausgehe, dass dies ein Reisebuch und kein Geologie-Lehrbuch ist, es also auf möglichst, leicht verständliche Vermittlung von Zusammenhängen ankommt, werde ich versuchen, so wenig wie nur möglich Fachausdrücke zu verwenden und möglichst viel durch anschauliche Beispiele erklären, wie die heutigen wichtigsten Gesteine und Oberflächenformen der Eifel entstanden sind. Zunächst möchte ich einige Erklärungen vorausschicken, die nötig sind, um die folgende lange Geschichte zu verstehen:

1) Gesteine sind zwar meistens »steinalt« – gemessen an unseren Zeitvorstellungen – haben jedoch ebenso wie Menschen Lebenszeiten - nur längere. Sie entstehen unter bestimmten Bedingungen, haben von daher ihren ganz »persönlichen« Charakter und Lebenslauf, um dann schließlich zu verwittern und zu zerfallen. Dadurch, dass sie sich mehr oder weniger in ihre Bestandteile auflösen, schaffen sie wieder Voraussetzung, um in einem späteren Leben in anderer Zusammensetzung und unter anderen Bedingungen und mit anderem Charakter »wiedergeboren« zu werden.

2) Von ihrer Entstehungsgeschichte her unterscheidet man drei Arten von Gesteinen: Sedimentgesteine, magmatische Gesteine und sogenannte »metamorphe« Gesteine. Sedimentgesteine entstehen durch Ablagerungen an der Erdoberfläche oder am Meeresboden, wenn beispielsweise die einmündenden Flüsse nach und nach, Lage auf Lage, Sand, Geröll und Schlamm heranschleppen und am Meeresboden ablagern; Sedimentgesteine sind von daher oft geschichtet.
Magmatische Gesteine entstehen, wenn glutflüssige Magma aus dem Inneren der Erde unter hohen Temperaturen »gekocht« werden, dass sie noch einmal ihren Charakter verändern. So sind die vielen grauschwarzen Schiefer in der Eifel metamorphe Gesteine, die dadurch entstanden sind, dass einst Sedimente von Meeresboden aus Schlamm und Sand noch einmal unter hohem Druck und hohen Temperaturen zusammengepresst wurden und sich veränderten; ihre Schichtform haben sie jedoch beibehalten. Auch die mineralische Zusammensetzung und die Korngrößen des Ausgangsmaterials beeinflussen den Charakter der neu entstehenden Gesteine.

3) Die Erdoberfläche, auf der wir mit beiden Beinen so fest im Leben stehen, ist in Wahrheit eine wackelige Angelegenheit, vergleichbar etwa der erkalteten Haut eines Puddings, die nicht dicker ist als die Schale eines Apfels (im Vergleich zum Erddurchmesser). Was Wunder also, dass diese dünne Haut seit ihrer Entwicklung immer noch dauern in Bewegung ist - mal zieht sie sich hier auseinander und reißt auf, mal schrumpelt sie an einer anderen Stelle zusammen und wirft Falten; sie kann sich heben und kippen oder auch fetzenweise in den Untergrund tauchen.Eine Folge davon ist, dass sich die Verteilung von Kontinenten und Ozeanen, von Gebirgen und Tiefseegräben permanent ändern, 250 Millionen Jahren – um nur ein Beispiel zu nennen – völlig anders aus als heute. Diese Veränderungen vollziehen sich für uns so langsam, dass wir sie kaum mitbekommen (oder als Katastrophen, wie Vulkanausbrüche) erleben. Wenn man das Alter der Erde gleich einem Jahr setzt, dann gibt es »uns« – den homo sapiens – erst seit gut vier Minuten.

4) Für die Eifel – wie für andere Regionen auch – heißt das, dass man an einer Stelle beispielsweise Gesteine findet, die einer uralten Generation entstammen und »noch von damals« vorhanden sind (z.b. im Hohen Venn): das kommt daher, weil all die später entstandenen Generationen, die dann über den »alten« lagen, heute wieder verschwunden sind, weil sie in der Zwischenzeit wieder abgetragen worden sind. An einer anderen Stelle wiederum – so in der Vulkaneifel – finden wir die jüngsten Generation, die »gerade erst da ist« und seitdem erst teilweise abgetragen worden ist.Wenn mann also heute in der Eifel in einer Gegend keine Gesteinsgeneration aus einem Bestimmten geologischen Zeitalter findet, man nennt das seine »Schichtlücke«, so kann das zwei Gründe haben: 1. Es wurden damals keine neuen Gesteine hier gebildet. Oder: 2. Die Gesteinsgeneration, die damals gebildet worden ist, ist heute verschwunden, weil sie mittlerweile wieder ganz abgetragen worden ist. So finden wir heute in der Eifel nebeneinander ganz verschiedene Charaktere und Generationen von Steinen, je nachdem welches das gegenwärtige Ergebnis der geologischen Geschichte, d.h. die gegenwärtige Summe des Wechsels von Gesteinsbildung und -abtragung einer Gegend ist.

5) Die Geologen haben den verschiedenen Zeitaltern der Erdgeschichte Namen gegeben (z.B. Devon). Dabei haben sie manche Zeitalter nach Gesteinen benannt (z.B. Buntsandstein); d.h. mit »Buntsandstein« bezeichnen sie sowohl eine Gesteinsart als auch ein bestimmtes geologisches Zeitalter, was Außenstehende leicht verwirren kann – nicht jeder Buntsandstein ist im Zeitalter Buntsandstein entstanden (allerdings viele). Wenn diese geologischen Namen der Zeitaltern macht man in der Eifel, wie im gesamten Rheinischen Schiefergebirge, eine große Zweiteilung, die ganz praktisch zum Verständnis ist: in Grundgebirge und Deckgebirge. Unter dem Begriff »Grundgebirge« fasst man all die Gesteine zusammen, die im Erdaltertum entstanden sind und durch Bewegungen gefaltet wurden; den Schiefer beispielsweise findet man daher oft schräg oder senkrecht stehend oder herrliche Falten werfend (in Steinbrüchen). Mit »Deckgebirge« bezeichnet man all die später – in Erdmittelalter und Erdneuzeit – entstandenen Gesteine, die nicht gefaltet sind, sondern mehr oder weniger flach auf dem Grundgebirge aufliegen; sie bilden oft Schichtstufen oder Plateaus wie im Bitburger Land:Die für die Entstehungsgeschichte der Eifel wichtigste Faltungsphase lag also vor der Wende vom Erdaltertum zum Erdmittelalter – die soggenannte »variskische  Faltung«, vor rund 300 Millionen Jahren.Nach dieser langen Vorrede möchte sie jetzt einladen zu einer Entdeckungsfahrt durch die Erdgeschichte der Eifel. Wir beginnen von vorne – bei den ältesten Gesteinen – und enden bei den jüngsten, fast in der Jetztzeit.


Die Grundgebirge

Die ältesten heute noch vorhandenen Gesteine der Eifel finden wir am äußersten Nordwesten, in den östlichen Ausläufern des Hohen Venns.
Das Grundgestein des Hohen Venns entstand vor über 500 Millionen Jahren, im Zeitalter des Kambrium. Damals war hier ein Meer, auf dessen Boden quarzhaltige Sande und Tonschlamme abgelagert und von immer neu abgelagerten Schichten überlagert wurden; sie sanken tiefer hinab und wurden untern hohem Druck und hohen Temperaturen in größeren Tiefen zu Tonschiefer und Quarziten zusammengebacken. Die darüberliegenden kalk- und sandhaltigen Sedimente aus späteren Meeresphasen finden wir heute nur noch am Rande des Hohen Venns, nicht mehr in seinem Zentrum, weil sie inzwischen dort wieder abgetragen worden sind. Diese Verteilung hat folgenden Grund: Am Ende des Erdaltertums, vor rund 300 Millionen Jahren, vollzog sich jene »variskische« Faltung, die so prägend für viele Teile des Grundgebirges der Eifel ist; die Schichten dieses Gebietes wurden wie aufeinanderliegende Tischtücher von Nordwesten und Südosten zusammengedrückt und aufgefaltet. Das Meer zog sich zurück, das Hohe Venn wurde zum Hochgebirge, das im Laufe der nächsten  200 Millionen Jahre allmählich von Wind und Wetter wieder abgetragen werden sollte. Dabei ging diese Abtragung wie ein fast waagrechter Hobel vor, der die bogenförmig aufgefalteten Schichten von oben nach untern waagrecht abhobelte. Das Ergebnis: das Hohe Venn sieht – durch die Röntgenbrille betrachtet – wie eine in Südwest-Nordost-Richtung liegende länglich Zwiebel aus, deren oberstes Viertel abgesäbelt worden ist. In seiner erhöhten Mitte treten die ältesten Schichten – als der Zwiebel aus, deren oberstes Viertel abgesäbelt worden ist. In seiner erhöhten Mitte treten die ältesten Schichten – als der Zwiebel Kern – ans Tageslicht, randwärts folgen die nächst jüngeren. Wer also von Aachen aus über die B258 in Richtung Monschau das Venn hochfährt, ras gewissermaßen in einer Zeitmaschine ins Erdaltertum zurück; bei jeder Geländestufe der »Himmelsleiter« betritt er – erdgeschichtliche gesehen – eine ältere Stufe, die älteste oben. Die höchsten Kuppen des Venns davon findet man als »Vennwacken«. Die weicheren Tonschiefer sind zu einem ziemlich wasserundurchlässigen Tonboden verwittert, auf dem viel später – vor rund 10.000 Jahren – die berühmten Hochmoore des Venns entstanden.
Während man sich nun streiten mag, ob denn das Hohe Venn überhaupt zur Eifel zu zählen sei oder nicht vielmehr zu den Ardenen gehöre, schweift von hier oben ostwärts der Blick über typische Eifellandschaft: Die Hochflächen um Simmerath, Hürtgen, Dreiborn und – weiter hinter – Hollerath. Zerteilte Hochflächen wie diese, in die sich die Flüsse tief eingekerbt haben und so die Fläche in einzelne Höhenrücken und Plateaus zerschneiden, bilden weite Teile der Eifel. Im Westen (von Norden nach Sünden) die Ruhr-Eifel, hier vor uns, die westliche Hocheifel von Prüm und den »Islek« um Arzfeld, im Osten (von Norden nach Sünden) Die Ahr-Eifel südlich und nördlich der mittleren Ahr, die östliche Hocheifel um Kelberg und die obere Elz, die Mosel-Eifel mit den Höhenrücken um Büchel und Lutzerath und der Öfflinger und Littinger Hochfläche nördlich von Wittlich, und in der Mitte, die Vulkan-Eifel (wenn man sich die später aufgesetzten Vulkanhütte einmal wegdenkt).
All diese so typischen Eifeler Hochflächen sind aufgebaut aus quarzitreichen Schiefern und Grauwacken. Sie stellen die nächst älteste wichtige Gesteinsgeneration dar; ihr Ursprung liegt im Zeitalter des Devons, vor 350 - 400 Millionen Jahren, in dem die meisten der heutigen Gesteine der Eifel entstanden:
Vor rund 400 Millionen Jahren drang allmählich von Westen her das »Devon-Meer« nach Osten vor und bedeckte »die Eifel« knapp 100 Millionen Jahre lang. Im Norden wurde es umsäumt von sogenannten »Old Red« Kontinent, dessen Küste etwa nördlich der Linie Aachen-Lüttich lag, im Süden erhoben sich mittendrin einige »Mittel-deutsche« Inseln. An Meeresboden lagerten sich zunächst, im sog. »Unterdevon«, vor rund 380 Millionen Jahren. Sande und Schlamme ab, die später von weiteren Sedimenten überlagert und zu besagten matamorphen Schiefer und Grauwacken zusammengepresst wurden, (ähnlich wie vorher die Tonschiefer unter dem Hohen Venn). Das Klima wurde wärmer, das Meer zur tropischen »Südsee« mit tausenderlei Korallen, Muscheln, Schnecken, Panzerfischen und wie sie alle hießen.
In den flacheren Küstengewässern bauten Korallen Saumriffe auf, am Rande des Küstenschelfs zu Tiefsee mächtige Barriere-Riffe (wie heute vor der australischen Küste). Diese herrliche Tropensaison des »Mitteldevon« vor rund 370 Millionen Jahren mit ihren kalkhaltigen Meeressediment und Riffen bescherte der Eifel die dritte wichtige Gesteinsgeneration: die Kalke, Mergel, Dolomite und Sandstein der Kalkeifel mit ihrem Fossilreichtum, die mitten in der zentralen Eifel von Norden nach Süden verläuft. Nettersheim z.B. liegt auf einem solchen gewaltigen Barrier-Riffe, die Fossilien bei Gerolstein gehen auf diese Zeit zurück.
Ähnlich wie diese entstanden etwas später – im warmen Meer des Overdevons und Karbons vor 340 bis vor 290 Millionen Jahren – am heutigen nordwestlichen Vennrand bei Aachen vor der Küste des Old-Red-Kontinents in flachen Gewässern Korallenriffe und kalkhaltige Sedimente. Aus ihnen wurden die Kalk- und Dolomitsteine, die heute so charakteristisch für die weißen Häuser des »Münsterländchens« bei Aachen sind.
Aus den versinkenden küstennahen Urwäldern jener Zeit – von Charleroi über Lüttich und Alsdorf bis zum Ruhrgebiet – stammt im übrigen der mitteleuropäischen Steinkohlestreifen.
Mit dem Beginn der Karbonzeit begann sich allmählich der Eifelraum zu heben, das Meer zog sich langsam zurück, und jene berühmte »variskische« Faltung vor rund 300 Millionen Jahren schuf hier ein Hochgebirge; die Korallenriffe und Meeresablagerungen wurden aufgefaltet und bildeten fortan mächtige Massive, den heutigen Dolomiten vergleichbar. In den folgenden rund 160 Millionen Jahren wurde sie – wie das Hohe Venn und die anderen Schiefer – und Grauwackengebirge – wiederum abgetragen. Die Kalkmulden bei Sötenich, Kall, Dollendorf, Hillesheim, Gerolstein und Prüm mit den dazwischen sich hinziehenden, teils bewaldeten flachen Höhenrücken, die Schichtrippen, die hie und da schräg aus dem Untergrund hervorlugen – sie sind die eingeebneten Reste jenes einst hohen Bergmassivs.
Schon gegen Ende der Auffaltungsperiode, im sog. »Rotliegenden«, einer Unterzeit des »Perrn«, vor rund 270 Millionen Jahren, sammelten sich am Fuße der Gebirge stellenweise abgetragene Trümmergesteine, die wir heute in den Senken bei Wittlich und Malmedy am Venn als fest verbackene Konglomerate aus Gesteinsbruchstücken bewundern können; da sie zwar noch aus dem Erdaltertum stammen, aber nicht mehr oder kaum noch gefaltet sind, zählt man sie nicht mehr zum Grundgebirge.
Mit dem Einsinken einer langen Delle, quer durch die Eifel von Norden nach Süden, ist die Entstehung und Faltung des Eifeler Grundgebirges abgeschlossen. Das nun folgende Mittelalter (von vor 225 bis vor 65 Millionen Jahren) ist für den größten Teil der Eifel eine Zeit der Abtragung und Verebnung, die eine »Schichtlücke« hinterlässt. An ihrem Ende steht ein ausgedehnter Sockel, der die Basis für die heutigen Hochflächen der West- und Osteifel bildet. Voneinander getrennt werden sie durch die Kalkmulden und -rücken aus der mitteldevonischen »Südsee«-Zeit, die nicht so widerstandsfähig waren, sich aber in der etwas geschützteren Nord-Süd-Senke besser dem Zahn der Zeit widersetzen konnten.

 

Die Deckgebirge

Aus der gesamten 160 Millionen Jahre während Phase des Erdmittelalters finden wir heute in größerem Umfang nur in zwei Gebieten der Eifel Gesteine: im Südwesten, im Bitburger Gutland und im Norden in der Mechernicher Voreifel.
Ähnlich des Rotliegenden-Konglomeraten bei Wittlich und Malmedy entstanden zu Beginn des Erdmittelalters vor allem am Nord- und Südrand der mittleren Senkungszone (bei Trier und bei Nideggen) hauptsächlich aus Flussaufschüttungen geröllhaltige Schuttmassen, die – oft zusammen mit Buntsandsteinen – zu festen Konglomeraten zusammengepappt wurden (im Raum Mechernich enthalten sie außerdem noch Erze in sich, die die Grundlage des dortigen Bleierzbergbaus bilden).
Von Südwesten und Norden her drang zu Beginn des Erdmittelalters – in der sogenannten Buntsandstein-Zeit – das »Buntsandstein-Meer« in die Eifel ein, buchtförmig im Bitburger Land, wie ein dreieckiger Keil bei Mechernich; die landeinwärtige Eifeler Nord-Süd-Senke dazwischen war zeitweise eine verzweigte Meeresstraße, mit Inseln und Bänken, Schwellen und Tiefen. Im damaligen Küstegebiet finden wir heute die mächtigen Buntsandsteinformationen des Kylltals bei Kordel und in der Kyllburger Waldeifel, die dort Sandsteinplateaus und Kastenberge bilden.
Von diesem Punkt des weitesten Vordringens an, zog sich das Meer wieder phasenweise nach Süden und Norden zurück. In seinen flachen Randbereichen lagerte es vor etwa 210 Millionen Jahren – in der »Muschelkalk«-Zeit – kalkhaltige Sedimente mit Fossilien und Muscheln ab; sie überdeckten wie eine flache Schüssel die in der Trierer Bucht drunterliegenden älteren Buntsandsteinsedimente und bilden heute die Kalkhochflächen des Bitburger Gutlandes mit seinen guten Böden aus Kalksandsteinen, Mergeln und Dolomiten. Die kalkhaltigen Hügellandschaften und Iversheim und Wollersheim, wo die Mechernicher Voreifel in die Zülpicher Börde übergeht, stammen ebenso aus jener Zeit.
In der anschließenden Periode des sogenannten »Keupers« zog sich das Meer noch weiter aus der Trierer Bucht zurück, kalkige und tonige Sedimente hinterlassend, die in unserer Zeit eine weitere Schichtstufe aus Tonsteinen, Mergeln, Dolomiten und Gipsen im Südwesten des Bitburger Landes formierten.
Die letzte dieser erdmittelalterlichen Rückzugsphasen aus der Trierer Bucht vor 175 bis 195 Millionen Jahren lagerte die Bänke des Luxemburger Sandsteines ab, der die imposanten Bastionen des Plateaus um Ferschweiler aufbaute.
So bietet sich heute die damalige Trierer Bucht dem Betrachters als eine ausgedehnte »Schüssellandschaft« dar: jede Phase des Sedimentation bildet eine große, in Südwest-Nordost-Richtung ovale Flachschüssel, auf der die nächstfolgende Phase eine Schüssel mit etwas kleinerem Durchmesser hinterlassen hat; die letzte, höchste und kleinste Schüssel in der Mitte ist das Ferschweiler Plateau; die Schüsselränder bilden markante Schichtstufen in der Landschaft.
Aus der ganzen folgenden Schlussperiode des Erdmittelalters – von vor 175 bis 60 Millionen Jahren – finden wir, wie bereits erwähnt, kaum Gesteine in der Eifel; lediglich die kleineren Berge um Aachen herum aus Sanden und Mergeln Stammen aus dieser Zeit (wobei der Teufel selbst kräftig mitgeholfen haben soll, wie aus gewöhnlich gut informierten Aachener Sagenerählerkreisen berichtet wird).

 

Das Finale

Die Erdneuzeit begann vor 65 Millionen Jahren mit der Epoche des Tertiäres (64 - 1,8 Millionen Jahre); in dessen zweiten Hälfte – vor rund 35 Millionen Jahren – sollten entscheidende Dinge in der Eifel vor sich gehen ...
Als Gesteinsgeneration aus jener Zeit finden wir zunächst einige wenige lockere Rest von Kiesen, Sanden und Tonen, die sich am Südwestrand des Neuwieder Beckens und in der Gegend von Speicher bei Bitburg erhalten haben, wo sie die Grundlage für die dortige Tonindustrie darstellen. Gewaltigeres vollzog sich in jenen Tagen im Süden: die Alpen wurden zu einem Hochgebirge aufgefaltet, und im Gefolge dieser gigantischen Krustenbewegung brach der ausgedehnte Festlandssockel von Ardennen und deutschem Mittelgebirge auseinander zu den Blöcken, die wir heute kennen – Hunsrück, Westerwald, Eifel etc., Grabenbrüche und Vulkanismus machten die Begleitmusik dazu ...
Dabei hat man sich die Eifel vor rund 30 Millionen Jahren etwa folgendermaßen vorzustellen: eine weite abgetragene Rumpffläche, über die einzelne widerstandsfähigere Quarzithöhenzüge herausragen (die Schneifel, der Rücken des Weißen Steins und das Hohe Venn im Nordwesten und die Hocheifel um Adenau – noch ohne Vulkane – im Nordosten).
Weiter im Norden, vor Köln und Aachen, liegt die Küste zum Nordmeer, und wo heute die Braunkohlebagger schaufeln, dehnten sich küstennahe Torfmoore aus. Ein »Ur-Eifel«-Strom floss in der uns schon bekannten Nord-Süd-Delle zum Nordmeer quer durch die Eifel nach Norden (!), etwa auf der Linie Trier-Manderscheid-Euskirchen, um dort in die Kölner Bucht zu münden.
Nun kam Bewegung in diese Rumpffläche: Das Neuwieder Bekken begann sich langsam zu senken, in geringerem Maße die Zone von Wittlich bis Trier. Wie an vielen Schwächestellen des Deutschen Mittelgebirges (z.B. im Vogelsberg) brachen auch in der Hocheifel Vulkane aus und bildeten gewaltige Basaltkegel aus den ausgeworfenen Magmen; Ringwälle wurden und die Schlote herum aufgeschüttet und hie und da von Lavaströmen seitlich durchbrochen; das Land ringsherum von herab rieselnden Aschen bedeckt. Die auswurfringwälle und aus der Asche verfestigten Tuffe sind mittlerweile wieder abgetragen, übrig geblieben sind bis dato die härteren alten Schlotfüllungen, die wie Zahnwurzeln tief ins Erdinnere herabreichen. Die höchste Erhebung der Eifel, die Hohe Acht mit 747 m, und ihre etwas niedrigeren Kompagnons wie die Nürburg oder der Hochkelberg sind Vulkane dieser Generation.
Damals muss es zugegangen sein wie in den biblischen Prophezeiungen des Weltendes: viele Flüsse der Eifel kehrten ihre Laufrichtung um, sie flossen fortan nach Süden, die »Ur«-Mosel entstand. Sie bewegte sich durch die Wittlicher Senke Richtung Neuwied und von dort aus nach Südosten in die oberrheinische Meeresbucht. Das Moselsystem war entstanden. Etwas später gabelte sich die Mosel in der Gegend von Schweich, ein Arm floss weiter in der gewohnten Bahn über Wittlich, ein anderer suchte sich ein neues Bett dort, wo wir es heute kennen.
Anschließend – vor ca. 7 Millionen Jahren – begann die Nordeifel sich zu heben. die Kölner Bucht blieb zurück. Am Hebungsrand bildete sich so allmählich der markante Anstieg zur Nordeifel mit seinen waldbedeckten Hängen bei Münstereifel, Rheinbach und den Vennausläufern. Die Nordflüsse gruben sich rückschreitend immer weiter und tiefer in die eigentlichen Eifeler Hochflächen ein. Großvater Rhein hatte endlich seinen Durchbruch nach Norden geschafft; die Ahr floss ihm seitlich zu, in ihrem Unterlauf ein bizarr romantisches Tal einfräsend. Die Rur grub zusammen mit ihren Nebenflüssen tiefe Talschlingen mit breiten Talboden, steilen Wänden und gelegentlichen Engpässen aus, an denen der Mensch später mit wenig Damm einen hohen Staueffekt erzielen konnte.
Durch das Ansteigen der Nordeifel – das übrigens bis auf den heutigen Tag anhält – und das Absinken des Moseltroges ergab sich vor rund 1,5 Millionen Jahren das heutige Flusssystem der Eifel mit einer Wasserscheide, die relativ weit nördlich liegt, und vielen langen Flüssen (Our, Prüm, Nims; Kyll, Salm, Lieser, Üß u.v.a.), die südwärts in die Mosel münden. Ähnlich wie die Ruhr im Norden, so fraßen auch sie sich rückwärts schreitend in tiefen Tälern in die Hochflächen von West-, Mosel- und Voreifel ein. Am deutlichen Südabfall des Isleks zum Bitburger Gutland hin schufen sie günstige Stauseevoraussetzungen (für die Ourtalsperre bei Vianden/Lux. und die Prümtalsperre bei Biersdorf).
Die Mosel ihrerseits füllte noch mit mächtigen Schottern die Wittlicher Senke auf, umfloss in wilden Schlingen und Mäandern die heutigen Moselberge, Terrassen und heute trockene höhere Seitentäler zurücklassend, bevor sie endgültig ihren Wittlicher Arm aufgab und sich ihr heutiges tieferes Bett zurechtmachte. Auch der Rhein hinterlässt und von früheren Talsohlen heute höhergelegene Terrassen.
So entstand am östlichen Abhang der Eifel zum Rheintal hin eine wirre vulkanische Landschaft mit Kuppen und Hütchen, dem Laacher See in einem Krater und den Thermalquellen des Brohltals. Vulkanische Asche rieselte auch hier über die ganze Umgebung nieder und bedeckt sie noch heute als verfestigter Tuff meterhoch, der als weißer Bims und Trass abgebaut wird.
Die letzte Runde vulkanischer Aktivitäten hinterließ und zwei Sorten von Souvenirs in der West- und Zentraleifel: an einer Schwächezone, die von Nordwest nach Südost verlief, brachen eine Reihe weitere Vulkane aus, vom Goldberg bei Ormont, nördlich von Prüm, über den Kalem bei Birresborn bis hin zum Komplex des Mosenberges bei Manderscheid. Ihre Auswürfe von glühenden Lavafetzen erkalteten im Fluge oder beim Aufprall und bildeten hohe Schlackekegel zusammen mit der ringsherum niederschneienden Asche, die sich auch hier zu Tuff verfestigte. Am Windsborn auf dem Mosenberg kann man einen solchen Kegelwall auf festgebackenen Gesteinstrümmern und Schlackenbrocken bewundern.
Aus einer anderen Variante dieser Ausbruchreihe entstanden zur gleichen Zeit die Maare. Dort, wo Hunderte von Metern unter den der Erdoberfläche Grund- oder Oberflächenwasser mit glühender Magma zusammentraf, kam es zu Wasserdampfexplosionen, die an Schwachstellen wie aus Ventilen nach oben schossen; dabei rissen sie in ihrer Wusch Gesteinstrümmer mit nach oben, es floss aber keine Lava mehr aus. So entstanden mangels Auswurfmasse keine hohen Vulkankegel, sondern lediglich niedrigere Trümmerwälle um die Explosionstrichter. Das Gasventil verstopfte rasch, den Trichter füllte sich mit Oberflächenwasser, das keinen Abfluss fand, und so sind die Maare (vom lat. mare = Meer) wie Augen in die Oberfläche der Eifel eingelassen. Sie stellen also lediglich eine andere zusätzliche Eruptionsform der letzten Vulkane dar, nicht aber ihr Abklingen; die jüngsten Maare sind erst um die 10.000 Jahre alt.
Doch keine Bange! die Kohlensäure, die in der Vulkaneifel und im Laacher Gebiet austritt, ist der letzte Hauch der Vulkane; sie zeigt das die Magma unter der Kruste kühler geworden ist.

 
(Auszug aus dem Buch »Die Eifel« von Arne Houben und Dietmar Mirkes, erschienen im Bachem Verlag, 2. Auflage 1992)

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