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Kloster Himmerod



Kloster Himmerod (Lautschrift in Eifler Mundart: „Hammerd“) ist eine 1134/35 durch Bernhard von Clairvaux gegründete Zisterzienserabtei in der Eifel. Sie liegt zwischen Großlittgen und Eisenschmitt (Landkreis Bernkastel-Wittlich) im Tal der Salm. Nach dem Zweiten Weltkrieg erlangte die Abtei 1950 allgemeine Bekanntheit durch die Himmeroder Denkschrift, die der Grundstein zur Wiederbewaffnung der Bundesrepublik war.


Gründung und Klostergeschichte
Nach der Berufung des Albero von Montreuil zum Erzbischof von Trier im Jahre 1131 setzte sich dieser bei Bernhard von Clairvaux für die Gründung eines Zisterzienserklosters auf trierischem Gebiet ein. Daraufhin entsandte Bernhard 1134 von Clairvaux aus einen Gründerkonvent unter dem Abt Randulf. Zunächst ließ sich der Konvent bei Winterbach an der Kyll (Eifel) nieder. Bei einem Besuch im Jahre 1135 bestimmte Bernhard Himmerod im Salmtal als neuen Standort. Himmerod war das 14. Zisterzienserkloster und das erste deutsche Kloster, das direkt von Bernhard von Clairvaux gegründet wurde. Zunächst wurde in Himmerod ein Behelfskloster errichtet, bevor Bernhard den Mönch Achard als Baumeister der Klosteranlage nach Himmerod entsandte.
1178 weihte Erzbischof Arnold von Trier die romanische Klosterkirche. 1179 starb der 1699 selig gesprochene Priestermönch David von Himmerod, der letzte Überlebende des Gründungskonvents. Kloster Himmerod selbst besiedelte zwischen 1153 und 1156 die Abtei Châtillon im Bistum Verdun (heute Gemeinde Pillon im Departement Meuse), eine Tochtergründung des Klosters Trois-Fontaines, und gründete als eigenes Tochterkloster 1189 die Abtei Heisterbach.
Bis zum Beginn des 15. Jahrhunderts hatten die Grafen von Sponheim ihre Grablege im Kloster; die Grabsteine, unter anderem der der Gräfin Loretta, waren noch im 18. Jahrhundert vorhanden.
1224 bestimmte der Abt des Mutterklosters Clairvaux, dass die Anzahl der Mönche nicht mehr als 60 und die der Laienbrüder nicht mehr als 200 betragen durfte. Kloster Himmerod besaß inzwischen einen großen Grundbesitz, den es teilweise verpachtete.
1519 erfuhr das Kloster eine erneute Aufwertung, indem Papst Leo X. den Äbten von Kloster Himmerod die Pontifikalien, also die bischöflichen Insignien wie Mitra und Krummstab verlieh. In den Jahren 1621 bis 1630 wurde die romanische Klosterkirche restauriert. Im Dreißigjährigen Krieg hatte die Abtei schwer unter den plündernden Soldaten zu leiden. 1641 legte der Abt Matthias Glabus aus Lieser trotz des andauernden Krieges den Grundstein für einen Klosterneubau, der 1688 unter Abt Robert Bootz vollendet wurde.
Unter Abt Leopold Kamp begann der Architekt Christian Kretzschmar 1739 mit dem Neubau einer barocken Klosterkirche im Zisterzienserstil mit Dachreiter, ohne Kirchtürme. Die Kirche wurde 1751 fertiggestellt.
Am 26. Juli 1802 hob die französische Regierung unter Napoleon das Kloster auf. Nach der Säkularisation verfielen Kloster und Kirche. 1803 wurde das Kloster an einen Hüttenbesitzer versteigert, der das kupferne Kirchendach abbauen ließ. Dadurch wurde die Kirche zur Ruine. In der Folgezeit wechselten die Besitzer, die die Gebäude hauptsächlich als Steinbruch nutzten. Nur die Mühle und das Pförtnerhaus blieben verschont. Von der Klosterkirche blieb im Wesentlichen nur ein Giebel erhalten, der wegen seiner romantischen Wirkung in der Eifelmalerei Fritz von Wille oft dargestellt wurde. Der letzte Besitzer, Reichsgraf Ottokar von Kesselstatt, verkaufte das Gut 1919 an deutsche Trappisten aus Mariastern/Bosnien.
1922 gründeten deutsche Zisterziensermönche aus der Abtei Marienstatt im Westerwald das Kloster neu. Von Himmerod aus wurde 1936 die Abtei Heiligkreuz in Itaporanga bei São Paulo/Brasilien errichtet. Die nach der Säkularisation bis auf wenige Reste zerstörte Kirche wurde unter Vitus Recke (geb. in Bickenriede/Eichsfeld, Abt in Himmerod von 1937 bis 1959) ab 1952 wieder aufgebaut. Wegen der hohen Kosten und der Zeitumstände zog sich der Wiederaufbau hin, sodass die Kirche erst 1962 fertiggestellt wurde. Zwei Jahre zuvor – am 15. Oktober 1960 – hatte sie Bischof Matthias Wehr geweiht.
Am 13. Oktober 2017 hat schließlich das Generalkapitel der Mehrerauer Kongregation die Auflösung des Himmeroder Konvents beschlossen. Bis auf zwei haben alle Mönche Himmerod verlassen.


Himmeroder Denkschrift

Vom 5. bis 9. Oktober 1950 tagten in Himmerod ehemalige deutsche Wehrmachtsoffiziere, um im Auftrag der Bundesregierung um Kanzler Adenauer die deutsche Wiederbewaffnung vorzubereiten. Das Ergebnis der Tagung war die Himmeroder Denkschrift. Wegen der historischen Bedeutung Himmerods für die Geschichte Deutschlands und der Bundeswehr legten dort am 10. September 2008 550 Rekruten ihr feierliches Gelöbnis ab.

Gegenwart
Heute leben im Kloster Himmerod 2 Mönche, die zum Teil auch als Seelsorger in den umliegenden Pfarreien tätig sind. Das vom Kloster bewirtschaftete Gäste- und Exerzitienhaus bietet ganzjährig Übernachtungsmöglichkeiten für Einzelpersonen wie auch Gruppen. Für Einkehrtage und Fortbildungsveranstaltungen stehen zudem entsprechende Tagungsräume zur Verfügung.
Die Kunst- und Buchhandlung bietet ein reichhaltiges Sortiment an Produkten: Bücher aus den Bereichen Theologie, Kunst, Literatur, Geschichte sowie Schriften von P. Stephan (aus dem Eigenverlag „Himmerod Drucke“), Ikonen, Keramik, Devotionalien, Krippen und CDs (insbesondere Aufnahmen mit international renommierten Organisten an der Klais-Orgel der Abteikirche). Zudem werden im Klosterladen Abteibier, Viez, Apfelsaft, Senf, Honig sowie Brände und Liköre angeboten. Auch die Klosterfischerei führt eine alte Tradition fort: Himmeroder Forellen sind weit über die Grenzen der Region hinaus für ihre Qualität bekannt. Und in absehbarer Zeit soll auch die Klostergärtnerei wieder reaktiviert werden. Für das leibliche Wohl rund um die Abtei sorgt die Klostergaststätte. Täglich außer Montag bietet sie mit ihrer regionalen Eifelküche qualitativ hochwertige Gerichte zu bezahlbaren Preisen. Für Familien- und Firmenfeiern sowie sonstige Veranstaltungen stehen Räumlichkeiten in ansprechendem Ambiente und gediegener Atmosphäre für bis zu 150 Personen zur Verfügung.
 
Kunst und Kultur
Das Museum „Alte Mühle“ beherbergt seit 1998 eine Dauerausstellung zur Geschichte Himmerods und präsentiert in regelmäßigen Abständen (etwa 3 x jährlich) wechselnde Kunstausstellungen.
 
Musik
Interpreten von Weltruf, außergewöhnliche Programme und eine Orgel mit Charakter - Himmerod ist im Sommer ein Muss für jeden Orgelfreund.
Die große, viermanualige Orgel der mächtigen Abteikirche von Himmerod ist nicht nur die bedeutendste und imposanteste der gesamten Region, sie hat auch im deutschen Orgelbau der Nachkriegszeit Geschichte geschrieben. Bis heute gilt dieses 1962 von der traditionsreichen Bonner Orgelbaufirma Johannes Klais erbaute Werk als Musterbeispiel für innovativen Orgelbau, als gelungene Synthese klassischer Handwerkstradition und den Herausforderungen eines zeitgemäß-modernen Orgelbaus. Die Bedeutung der Himmeroder Orgel zeigt sich denn auch in herausragenden CD-Einspielungen namhafter Konzertorganisten aus der ganzen Welt, darunter Prof. Nicolas Kynaston (London), Prof. Johannes Geffert (Köln), Prof. Ian Tracey (Liverpool Anglican Cathedral), David Briggs (Kanada) und Thomas Heywood (Australien).
Darüber hinaus zählt der Internationale Orgelsommer der Abtei heute zu einer der profiliertesten Konzertreihen in der gesamten europäischen Orgellandschaft. Renommierte Gastorganisten, vornehmlich aus dem angelsächsischen Raum, präsentieren hier ihrem Publikum erfrischend farbenfrohe Programme abseits ausgetretener Pfade. Nicht zuletzt mit ein Grund, warum jährlich Tausende enthusiastischer Orgelfreunde aus Nah und Fern gezielt zu den Orgelkonzerten in die abgelegene Eifel-Abtei nach Himmerod kommen.

Auszeichnung
Für seinen Umstieg auf regenerative Energien erhielt das Kloster den Deutschen Solarpreis 2009 in der Kategorie Lokale oder regionale Vereine/Gemeinschaften.


(Texte: Wolfgang Valerius/Abtei Himmerod und Wikipedia)


www.abteihimmerod.de


Kloster Himmerod in Google Maps








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